GRASSHOPPER-CLUB ZÜRICH
Anzeige
Fussball: Keine Ausnahmeregelung für GC-Trainer Bernegger

Mittwoch, 26. November 2003 / 17:17 Uhr

Carlos Berneggers Zeit als Chef-Trainer der Grasshoppers endet im Dezember. Der gebürtige Argentinier verfügt derzeit nicht über die geforderte UEFA-Pro-Lizenz, und vom Schweizer Fussball-Verband (SFV) ist keine Verlängerung der Spezialgenehmigung mehr zu erwarten.

Carlos Bernegger (Archiv) war bei GC als Interimstrainer ein Gewinn.

Daniel Ryser, der Ausbildungschef des SFV, bestätigte entsprechende Berichte des Blick und des Tages-Anzeigers. GC habe sich beim Verband erkundigt, wie es um die Situation im Fall Bernegger bestellt sei. "Daraufhin haben wir GC informiert, dass wir keine Ausnahmebewilligung erteilen werden", erklärte Ryser auf Anfrage. Bis spätestens Anfang der Rückrunde haben GC und Wil (Alexander Sawarow) nun für eine reglementskonforme Lösung zu sorgen.

Das erforderliche Diplom zur Führung einer Super-League-Mannschaft können die Kandidaten innerhalb einer 16-monatigen Ausbildung in Magglingen erwerben. Verkürzte Kurse, wie sie etwa der deutsche Fussball-Bund im Falle des Dortmunder Trainers Matthias Sammer anbot, schliesst der SFV auf dieser Ebene kategorisch aus.

"Es geht letztlich ja auch um die Qualität der Schweizer Trainer, andererseits liegt uns die Qualität des nationalen Fussballs am Herzen. Ein Primarlehrer kann ja auch nicht plötzlich an der Uni unterrichten", drückte sich Ryser im Zusammenhang mit gekürzten Varianten unmissverständlich aus. Die konsequente Haltung sei keinesfalls als Bestrafung der Interims-Coaches zu sehen, sondern viel eher im Sinne einer Entwicklung in Schritten.

Bernegger: "Spürte die Anerkennung"

Carlos Bernegger hat sich mit der harten Umsetzung der Verbandsregularien abzufinden -- und wird den strikten Kurs "mit einem komischen Gefühl", wie er es formuliert, akzeptieren. "Ich werde die letzten Spiele bis am 7. Dezember mit dem gleichen Enthusiasmus wie vorher vorbereiten. Schliesslich habe ich mich für diesen Job nie aufgedrängt." Sein Vertrag mit GC läuft bis 2005, Bernegger will ihn erfüllen, "egal, in welcher Position".

Unter der schnörkellosen Führung Berneggers hat sich die sportliche Krise beim Meister nach dem Abgang von Marcel Koller zumindest entschärft; daran ändert der Rückfall in Basel (2:5) nichts. Bernegger eliminierte mit seiner Equipe den FCB im Cup und könnte am Sonntag in einer Woche in Neuenburg den Halbfinal erreichen. Er verneint nicht, dass ihm die Aufgabe bisher Spass bereitet hat. "Die Bindung zum Team ist gewachsen. Und die Rückmeldungen waren sehr positiv."

So rasch als möglich will Bernegger die nötigen Kurse zur Erlangung der UEFA-Pro-Lizenz belegen. Der Argentinier plant einen längeren Verbleib im Land seiner Wurzeln. "Ich fühle mich sehr wohl in der Schweiz und möchte hier auch arbeiten." Einiges, so scheint es zumindest, deutet auf eine respektable Karriere hin. GC-Präsident Thomas Gulich lobte ihn vor kurzem "als eine sehr reife Persönlichkeit". Bernegger ist erst 34-jährig. (tr/Si)