WM/EM-QUALI
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Fussball: Spiel der letzten Chance für England

Freitag, 23. März 2001 / 14:25 Uhr

Bern - Neben der Schweiz stehen am Samstag 43 andere europäische Nationen im Einsatz um Qualifikationspunkte für die WM 2002 in Japan und Südkorea. Grösste Aufmerksamkeit aus internationaler Sicht kommt der Partie im Fussball-Mutterland zu: Wenn England das Spiel der letzten Chance gegen Finnland nicht gewinnt, rückt eine WM-Teilnahme schon nach drei Spielen in weite Ferne.

Beachtenswert aus Schweizer Sicht sind die beiden Begegnungen der direkten Konkurrenten in der Gruppe 1: Russland empfängt in Moskau das zweitplatzierte Slowenien, und Färöer reist zum Tabellenletzten Luxemburg. Mit einem Sieg der Russen wäre den Schweizern am meisten gedient, wenn sie sich noch Chancen auf Platz 2 ausrechnen wollen.

Auf dem Schweden Sven-Göran Eriksson ruhen die Hoffnungen Englands, den Fehlstart in der Gruppe 9 doch noch korrigieren zu können. Unter seinem Vorgänger Kevin Keegan wurde im Heimspiel gegen Deutschland (0:1) und in Finnland (0:0) lediglich ein Punkt eingefahren. Der erste ausländische Trainer der Verbandsgeschichte hat sich Ende Februar mit dem 3:0-Erfolg im Testspiel gegen Spanien bereits viel Goodwill erarbeitet. Das erlaubte es ihm, sein Kader für den ersten Ernstkampf in Liverpool drastisch zu verjüngen, ohne gleich an den Pranger gestellt zu werden. Paul Ince, Dennis Wise, Gareth Southgate und Graeme Le Saux wurden nicht mehr aufgeboten, Tony Admas trat vorsichtshalber selber zurück, und Martin Keown kam wohl nur seiner Verletzung wegen um eine Ausbootung herum.

Auch die zweite Massnahme hätte sich ein erfolgloser Eriksson nicht ohne harsche Kritik aus allen Lagern erlauben können. Trinkgelage und Kartenspiele bis tief in die Nacht soll es bei ihm in den Trainingslagern nicht mehr geben. Vorsichtshalber liess er im Mannschaftshotel alle Minibars in den Zimmern räumen. «Das ist kein strenges Regime. Ich will nur, dass die Spieler Respekt zeigen, allen und allem gegenüber», begründete der frühere Lazio- Trainer seine Regeln, die den englischen Spielern wie Vorschriften von einem anderen Stern vorkommen müssen.

Vier Stunden nach den Engländern gelangt in der gleichen Gruppe auch Tabellenleader Deutschland zu seinem dritten Einsatz. Nach den beiden Startsiegen über England und Griechenland (2:0) kann Teamchef Rudi Völler nun in seinem Heimstadion in Leverkusen gegen Albanien antreten. Alles andere als ein weiterer Vollerfolg wäre eine herbe Enttäuschung. Allerdings sorgten die ersten beiden Niederlagen unter Völler in den Testspielen gegen Dänemark (1:2) und Welt- sowie Europameister Frankreich (0:1) bereits wieder für die ersten Zweifler im Land. Zudem beklagen sich die in ihren Klubs erfolglosen Oliver Bierhoff und Christian Ziege über mangelnde Rückendeckung durch ihren Teamchef. Und Völler hat für den Fall einer Nicht-Qualifikation bereits seinen Rücktritt angekündigt.

Nach dem Europacup-Debakel der Klubmannschaften hat Italien die Qualifikationspartie in der Gruppe 8 gegen Rumänien zum «Spiel der Ehre» hochstilisiert. Mit einem Auswärtssieg in Bukarest könnte das Team von Giovanni Trapattoni gleich auch den härtesten Konkurrenten um den Gruppensieg deutlich zurückbinden. Die Rumänen hatten das Hinspiel in Mailand sang- und klanglos mit 0:3 verloren und würden mit einer weiteren Niederlage auch den Anschluss an das zweitplatzierte Ungarn verlieren.

Gelegenheit, ihre Fehlstarts zu korrigieren, erhalten Holland in der Gruppe 2 und Norwegen in der Gruppe 5: Die Holländer treffen in Barcelona, der neuen Heimat des halben Nationalteams, auf das punktelose Schlusslicht Andorra. Mit einem Sieg würden sie bis auf drei Zähler zu Leader Portugal aufrücken, eine ideale Ausgangslage vor dem Direktduell vom nächsten Mittwoch in Porto. Wie Holland ebenfalls nur auf dem zweitletzten Gruppenplatz rangieren die Norweger, die es in Oslo mit Spitzenreiter Polen zu tun bekommen. Mit einer weiteren Niederlage wären die noch sieglosen Skandinavier aus dem WM-Rennen.

Ein echter Spitzenkampf steht in der Gruppe 6 zwischen Leader Belgien und dem punktgleichen Verfolger Schottland im Programm. Im Schatten dieses Kampfes um Platz 1 versucht der letztmalige WM- Halbfinalist Kroatien den Anschluss an das Spitzenduo zu schaffen. Die Kroaten empfangen Lettland in Osijek und dürften bei einem Erfolg wieder mit einer WM-Qualifikation liebäugeln.

Ganz schwer wird die Aufgabe für Liechtenstein, das in der Gruppe 7 den Gang zu Spitzenreiter Spanien vor sich hat. Ob im dritten Qualifikationsspiel endlich der erste Torerfolg gelingt?
(kil/sda)