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Gerichtlicher Nachlass oder Konkurs für den FC Luzern

Freitag, 30. November 2001 / 16:50 Uhr
aktualisiert: 20:40 Uhr

Luzern - Der mit rund fünf Millionen Franken verschuldete FC Luzern hat sich für den gerichtlichen Nachlass entschieden. Hierzu benötigt der FCL allerdings noch rund zwei Millionen Franken.

Gelingt die Geldbeschaffung in den nächsten zehn Tagen nicht, wird der FC Luzern im Dezember den Konkurs anmelden, was den Abstieg in die 5. Liga bedeuten würde.

Das Ende des 100-Jahr-Jubiläums könnte auch das Ende des grössten und wichtigsten Innerschweizer Sportvereins bedeuten. Nach wenigen Monaten Amtszeit musste sich Vereins- und Verwaltungsratspräsident Jules Häfliger für den bitteren Gang in den gerichtlichen Nachlass entscheiden. «Als besorgter Unternehmer wie als Vereins-Verantwortlicher habe ich keine andere Wahl mehr. Die finanziellen Sorgen waren in den letzten Jahren gravierend. Ich muss die letzte Chance auf eine Zukunft des Klubs auf diesem offenen und glaubwürdigen Weg gehen.»

Die Vorbereitungen für den gerichtlichen Nachlass sind inzwischen abgeschlossen. Das Geld für die Nachlass-Dividende an die Gläubiger ist vorhanden. Noch nicht gesichert sind jedoch die rund zwei Millionen Franken, die als Garantie für den Spielbetrieb während der Durchführung des Nachlasses bis 30. Juni 2002 erforderlich sind. Gelingt es den Verantwortlichen nicht, diese Summe in den nächsten zehn Tagen aufzutreiben, kommen nur noch der Konkurs und die Auflösung des Vereins sowie der AG in Frage. Mit der Konsequenz, dass ein neu zu gründender Klub in der 5. Liga beginnen müsste.

Ob der FCL im Konkursfall die Abstiegsrunde im Frühling noch bestreiten würde, konnte Häfliger nicht sagen. Im Fall FC Wettingen vor neun Jahren hatte die Nationalliga während dem Konkursverfahren die Kosten für den Spielbetrieb übernehmen müssen, um die sportliche Situation zu retten.

Überlegungen, nur die FC Luzern AG in den Konkurs gehen zu lassen und die Schulden des Vereins FC Luzern von momentan 1,2 Millionen auf rund 800'000 Franken herunterzudrücken, damit die NLA- Lizenz gesichert wäre, scheitern an den neuen Nationalliga- Reglementen. Der Verein müsste bei einem Konkurs der AG alle Spielerverträge zu den gleichen Bedingungen übernehmen.

Häfliger und seiner Klubleitung war es in den letzten Monaten nicht gelungen, fehlendes Geld aufzutreiben. Zu stark war das Vertrauen in den Verein durch die konstant negativen Meldungen im sportlichen und finanziellen Bereich verloren gegangen. So musste Häfliger diese Woche zur Kenntnis nehmen, dass sich auch der vorgesehene Stadionbauer vom Verein abwandte. Die Berner Firma Marazzi AG will versprochene 800'000 Franken nicht bezahlen und stieg aus dem neuen Stadion-Projekt aus. Mit diesen 800'000 Franken wäre die Hälfte des erforderlichen Geldes für den Nachlass bereits beisammen gewesen.

Auf ähnliche Weise hatten in den letzten Wochen auch andere Geldgeber zum Rückzug geblasen. Ob dem FC Luzern nochmals eine Wiederbelebung wie vor zweieinhalb Jahren unter Albert Koller gelingt? Gelder, die damals zur Rettung benötigt wurden, fehlen jetzt in der Kasse. Sponsorengelder waren gleich für mehrere Jahre vorbezogen worden.

Der FCL hat alle Gläubiger eingeladen, einen neuen FC Luzern als Unternehmung mitzuplanen. Auch die Stadt Luzern hat inzwischen signalisiert, alles daran zu setzen, dass ihr sportliches Aushängeschild nicht verloren geht.
(sk/sda)