EUROPA LEAGUE
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Henchoz greift mit Liverpool nach dem UEFA-Cup-Kübel

Montag, 14. Mai 2001 / 23:04 Uhr

Vier Tage nach dem Triumph im FA-Cup gegen Arsenal (2:1) greift der FC Liverpool mit dem Schweizer Stéphane Henchoz (rechts im Bild)nach dem ersten europäischen Titel seit 17 Jahren. Die «Reds» spielen am Mittwochabend (20.45 Uhr) in Dortmund im UEFA-Cup-Final gegen Alaves.

Den Engländern, die durchwegs Internationale in ihren Reihen haben, kommt dabei gegen den unbekannten Provinzklub aus dem Baskenland die Favoritenrolle zu.

Seit über sechs Wochen bestreitet Liverpool alle drei Tage eine Partie. Die positiven Resultate im FA-Cup und im Europacup sowie die Spiele in der Meisterschaft erforderten dieses Programm von der Mannschaft des französischen Trainers Gérard Houllier. Nun folgt der finale Höhepunkt. Am vergangenen Samstag gewann Liverpool den FA-Cupfinal gegen Arsenal dank zweier Tore von Jungstar Michael Owen in der Schlussphase und holte den ersten bedeutenden Titel seit neun Jahren in die Hafenstadt am Mersey-River. Drei Tage nach dem UEFA-Cup-Final geht es in der Premier League in der letzten Runde gegen Charlton um die Verteidigung des 3. Platzes, der zur erstmaligen Teilnahme an der Champions League berechtigen würde.

Unglaubliche Serie Owens

Dass die beiden Tore gegen Arsenal Owen erzielte, war die Weiterführung der unglaublichen Serie des 21-Jährigen. Die letzten sieben Treffer Liverpools hatte allesamt der Stürmer geschossen. Und dies, obwohl er nicht einmal immer zur Startformation gehört hatte. Mit Robbie Fowler und Emile Heskey verfügt Houllier im Angriff über zwei weitere Internationale. Zudem ist auch der zuletzt oft im Mittelfeld eingesetzte Tscheche Vladimir Smicer gelernter Stürmer. Von diesen vier kommen aber in der Regel nur zwei zum Einsatz. «Wir brauchen diese Quantität und Qualität im Kader bei bis jetzt 61 Partien», ist sich Houllier seiner komfortablen Situation bewusst.

Henchoz ist gesetzt

In der Innenverteidigung hat der Franzose weniger die Qual der Wahl. Der Schweizer Henchoz ist ebenso gesetzt wie Captain Sami Hyypiä aus Finnland. Die beiden Abwehrspieler bilden ein solides Bollwerk. In zwölf UEFA-Cup-Partien dieser Saison blieb Liverpool neunmal ohne Gegentreffer. In den Viertelfinals verliess man sogar das Römer Olimpico gegen den designierten italienischen Meister AS Roma siegreich (2:0), und in der darauf folgenden Runde bemühte sich auch die hochkarätige Offensive Barcelonas mit Kluivert, Rivaldo, Luis Enrique und Overmars vergeblich um einen Torerfolg.

Im Dortmunder Westfalenstadion präsentiert sich Liverpool dem internationalen Publikum erstmals seit der schwarzen Nacht von Brüssel im Mai 1985 als Finalist eines Europacups. Nachdem damals 39 Personen vor dem Meistercup-Final gegen Juventus Turin umgekommen waren, wurden alle englischen Vereine bis 1990 von internationalen Klub-Wettbewerben ausgeschlossen. Liverpool durfte sogar erst ein Jahr später wieder mittun. Dennoch gehören die Reds mit vier Triumphen im Meistercup und zwei Siegen im UEFA-Cup zu den erfolgreichsten Vereinen Europas. Nur in zwei der bisher acht Finals gingen die Engländer als Verlierer vom Platz. Neben dem 0:1 gegen Juventus vor 16 Jahren auch 1966 gegen Borussia Dortmund im Cup der Cupsieger (1:2).

Alaves erstmals dabei

Von einem solchen Palmarès ist Alaves weit entfernt. Die Spanier haben in dieser Saison erstmals am Europacup teilgenommen und stehen überraschend im Final. Denn auf dem Weg nach Dortmund hat sich Alaves gegen Inter Mailand und den 1. FC Kaiserslautern durchgesetzt. Und auch der Erfolg in der 3. Runde gegen Champions- League-Teilnehmer Rosenborg Trondheim konnte nich erwartet werden.

Beeindruckende Bilanz

Alaves ist immer dann am Stärksten, wenn es keiner erwartet. So gewann die Mannschaft aus der baskischen Provinzhauptstadt Vitoria nur zwei von fünf Heimspielen, qualifizierte sich aber jeweils dank Auswärtserfolgen für die nächste Runde. So siegten die Blau-Weissen nach dem 3:3 zuhause gegen Inter Mailand im San Siro 2:0; es war ihr Meisterstück auf dem diesjährigen UEFA-Cup-Parcours.

Während sich bei Liverpool die Stars die Stammplätze gegenseitig streitig machen, sucht man im Kader von Trainer Jose Manuel Esnal vergeblich nach klingenden Namen. Den berühmtesten trägt Jordi Cruyff, der Sohn des legendären Johan. Aber Jordi hat den grossen Durchbruch weder bei Barcelona noch bei Manchester United geschafft und spielt nun eben bei Alaves. Mit dem Norweger Dan Eggen und dem Rumänen Cosmin Contra stehen noch zwei weitere Spieler im Team der Nordspanier, die schon an WM- oder EM-Endrunden im Einsatz gestanden hatten. Und Javi Moreno, mit 21 Treffern der Topskorer der Primera Division, schaffte in dieser Saison immerhin den Sprung ins spanische Nationalteam.
(sda)